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Fashion Software

Software-Guide für Fashion Brands: So sollte dein Tech-Stack aussehen

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Thore Bischoff
· 6 minute read

Arbeitest du innerhalb der Textil- und Bekleidungsindustrie und beschäftigst dich schon länger damit, wie sich deine Firma nachhaltig digitaler aufstellen kann? Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein, gewinnt die optimale Firmensoftware besonders für Fashion Brands immer mehr an Bedeutung.

Warum wird Fashion Software gerade jetzt wichtig?

Die Fashion-Welt wird nicht nur digitaler, sondern auch komplexer. Innovative Technologien wie 3D Design werden entwickelt, neue Vorgaben und Richtlinien beschlossen und globale Märkte erschlossen. Um auf neue Innovationen und Vorgaben flexibel reagieren zu können und deine Märkte und Kollektionen effektiv zu koordinieren, ist eine gut funktionierende digitale Firmeninfrastruktur hierbei der wichtigste Grundbaustein.

Und auch der moderne Kunde wird anspruchsvoller und setzt sich vermehrt mit Themen wie dem eigenen Konsumverhalten und Nachhaltigkeit auseinander. Dadurch wird die operative Transparenz deiner Firma immer entscheidender. Bei all diesen Anforderungen spielt ein intuitives und effizientes Management deiner Ressourcen, Prozesse und Produktinformationen eine essenzielle Rolle.

Welches ist die wichtigste Software für dich?

Viele Tech-Anbieter brüsten sich folglich damit, die Software-Lösung am Markt zu haben, welche all eure Probleme mit nur einem Firmen-Tool in Luft auflösen kann. Doch die Realität sieht oftmals anders aus: Jede Fashion-Software fokussiert sich auf andere Prozesse und bietet andere Möglichkeiten und Features. Die Firmensoftware der großen Topseller Brands in Deutschland muss hierbei nicht zwingend auch die beste Option für euch darstellen.

Bei all den unterschiedlichen Akronymen und Anbietern kann man allerdings schnell den Überblick verlieren. Brauche ich ein ERP-System? Oder ein PLM? Und was war gleich nochmal ein PIM? Womit genau verbessere ich hierbei meine Produktion und womit mein Marketing und E-Commerce? Obwohl die Übergänge hierbei häufig fließend sind, ist es wichtig zu wissen, wo du die Linie ziehen solltest. Denn schließlich bringt dich nur die Software voran, welche am besten zu deinen Operationen passt.

Wie genau sollte also dein ‚Tech Stack‘ aussehen? Welche Software ist hierbei besonders wichtig und auf welche kannst du eher verzichten? Für diese Fragen gibt es keine einheitliche Lösung. Vielmehr hängt das Ganze von eurer speziellen Firmenstruktur, sowie eurem Budget und Ambitionen ab.

Deshalb versuchen wir dir und deiner Fashion Brand mit diesem kleinen Software- und Plattform-Guide die unterschiedlichen Möglichkeiten näherzubringen, um dein Firmen- und Kundenpotenzial voll zu entfalten. Hierfür haben wir einen Blick auf die unterschiedlichsten Software-Lösungen auf dem deutschen Markt geworfen, sowie deren Hauptanbieter näher unter die Lupe genommen.

Viel Spaß beim Lesen!

Product-Lifecycle-Management (PLM)

Viele Wege führen nach Rom – und kein Produktweg an PLM vorbei.

Denn PLM Systeme gelten als die Geburtstätte all deiner Produktdaten. Wenn du deine Firma also nachhaltig verbessern möchtest, solltest du hier zuerst ansetzen.
Ein PLM System befasst sich mit deinen Produktdaten im gesamten Entwicklungsprozess: Von der Konzeption bis hin zur Auslieferung.

Durch bessere Kollaborationsmöglichkeiten und effizientere Workflows kann hierdurch eine schnellere, transparentere und profitablere Produktentwicklung gewährleistet werden.

Produziert deine Brand also eigene Styles und Kollektionen? – dann ist eine PLM Software essenziell für euch. Denn nur so können alle Mitarbeiter und Lieferanten in jeder Entwicklungsphase Zugriff auf alle relevanten Prozesse und Daten bekommen – in einem einzigen zentrierten System. Mehr zu PLM.

Hierzu haben wir drei Anbieter für euch aufgelistet, welche sich mit besonderer Akribie dem deutschen Fashion Markt widmen: Centric, Assyst und Delogue.

Enterprise-Resource-Planning (ERP)

Eine Software-Lösung für die harten Fakten.

Ein Enterprise-Resource-Planning Tool setzt sich gezielt mit den Prozessen und Daten auseinander, die essenziell für das operative „Überleben“ deiner Brand sind.

Die Hauptaufgaben eines ERP Systems liegen hierbei im effizienten Ressourcen- und Finanz-Management, welches besonders die Integrierung ‚harter‘ Produkt- und Prozessdaten umfasst. Dadurch können operative Prozesse effizienter und strukturierter abgewickelt werden – von der Buchhaltung, über die Lieferkette, bis hin zur Lagerbestandsplanung.

Und lass dich nicht von dem Begriff ‚Enterprise‘ abschrecken: Ein ERP kann auf Firmen jeglicher Größe ausgelegt sein, sofern du den passenden Software-Anbieter findest.
In der Übersicht stellen wir dir drei Anbieter vor, welche auf dem deutschen Fashion & Lifestyle Markt vertreten sind und unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Intex, ImPuls und Indigo Fashion Software.

Product-Information-Management (PIM)

Der Kunde ist König – und Kundeninformationen sind deine Schatztruhe.

Wie bei den meisten aufgelisteten Konzepten, ist auch das PIM System in seiner Kernaufgabe ziemlich selbsterklärend: Die Vereinfachung deines Produktdaten-Managements.

In einer PIM Software kannst du deine Produktdaten nicht nur verwalten, sondern deinen ‘Content’ und deine Marketing-Materialien auch an die Bedürfnisse des Marktes und deiner unterschiedlichen Händler automatisiert anpassen.

Anders als ein PLM, ist eine PIM Software also sehr kunden-zentriert und kann dich mit wertvollen Erkenntnissen zur Produktnachfrage, sowie Präferenzen und Anforderungen deiner Kunden beliefern.
In der Übersicht stellen wir dir drei Anbieter vor, die dein internes- und externes Produktdaten-Management auf ein neues Level heben können: Perfion, Akeneo und Plytix.

B2B Wholesale

Der digitale Treffpunkt mit deinen neuen Händlern.

Der Business-to-Business Großhandel ist ein komplexes Konstrukt, in dem sich viele unabhängige Händler und Großhandelsketten tummeln.

Die Zukunft vom B2B Wholesale ist dabei definitiv digital.

Die meisten Aufträge und Bestellungen werden bereits heute online abgewickelt. Eine zentrale Plattform zur Gewinnung neuer Händler und der Prozess-Abwicklung ist also wegweisend, wenn deine Brand regional- und besonders global weiter wachsen möchte.

Hierbei können dir B2B Wholesale-Plattformen unter die Arme greifen, sowohl um dein Netzwerk zu erweitern, als auch um deine Kollektionen attraktiv in digitalen Showrooms zur Schau zu stellen.

Abhängig von eurem Fokus haben wir euch drei Plattformen zusammengefasst, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben: Fashion Cloud, LeNewBlack und NuOrder.

Wholesale Marketplace

Die Brücke zwischen Händler, Kunde und dir.

Im Großhandel musst du nicht nur passende Händler für deine Kollektionen finden, auch der anschließende Weg zum Endkunden ist selbstverständlich elementar.

Dabei ist es entscheidend, dass deine eigene Philosophie und dein Brand-Image auch durch deine Händler weitergetragen wird. Damit diese auf ihren digitalen Marketplaces deine Styles auch ansprechend vermarkten, brauchst du eine zentrale Plattform für Content und Produktdaten.

Mit entsprechendem Daten-Zugriff können deine Händler dann deine Logos übernehmen, Produktbeschreibungen anpassen und dafür sorgen, dass du neue Kunden erreichst.

Hier gesellt sich neben den bereits aufgelisteten Anbietern Fashion Cloud und NuOrder noch Joor in unserer Auflistung dazu.

Tipps für dein Fashion ‘Tech-Stack’

Nachdem wir uns die unterschiedlichen Software-Lösungen und ihre Anbieter angeschaut haben, kommen wir also zurück zu der Ausgangsfrage: Wie genau sollte dein Fashion ‘Tech-Stack’ nun aussehen?

Natürlich gibt es hier keinen ‘One-Size-Fits-All-Approach’ und keine Zauberformel, mit der du die digitale Infrastruktur deiner Brand aufrüsten kannst. Aber obwohl die optimale Firmensoftware stark von deinen Prozessen und Bedürfnissen abhängt, gibt es dennoch einige Anhaltspunkte, an welchen du dich hierbei orientieren kannst. Hier sind vier Tipps, die dir auf diesem Wege helfen sollten.

Tipp 1) Starte mit dem wichtigsten System für deine Prozesse     Welches System am wichtigsten für euch ist, hängt immer von euren spezifischen Prozessen ab. Wenn deine Firma aktiv an der Produktentwicklung beteiligt ist, solltet ihr am besten dort starten, wo eure Produktdaten entstehen und ein PLM System integrieren. So könnt ihr euch zukünftig sicher sein, dass ihr das Optimum aus euren Entwicklungsprozessen rausholt, die Kollaboration in den eigenen Teams und mit euren Lieferanten stärkt und für interne und externe Transparenz sorgen könnt. Steht diese Basis dann erst einmal, kannst du dich um wichtige, ergänzende Systeme kümmern.

Tipp 2) Erkenne komplementäre Systeme für dich                            Software ist nicht immer eine ‘Entweder-Oder-Entscheidung’. Jede der aufgelisteten Systeme und Anbieter hat besondere Kernkompetenzen. Es macht also meistens Sinn, nicht nur das für dich passendste PLM, ERP oder PIM System zu implementieren, sondern vielmehr ein sich ergänzendes Fashion ‘Tech-Stack’ zu schaffen. Während ein ERP primär deine Finanz- und Ressourcenplanung unterstützt, fokussiert sich ein PLM auf effektive Workflows und Kollaborationsmöglichkeiten in der Entwicklung – und ein PIM wiederum schafft die Brücke zu deinen Kunden im Marketing- und E-Commerce Bereich. Mach dir also die perfekte Synergie für deine individuellen Firmen-Prozesse zukünftig zu nutze.

3) Lege deine Ziele und Ambitionen fest                                                        Die Wahl der passenden B2B Wholesale Plattformen und Marketplaces hängt stark von deiner Ausrichtung ab. Werde dir also bewusst, ob du zukünftig lokal auf dem deutschen Markt wachsen möchtest oder auch länderübergreifend Märkte erschließen willst. Auch lässt sich der Erfolg deiner Integrierung von neuen Fashion Softwarelösungen besser analysieren, wenn du klare KPIs und Zielvorgaben für deine Prozesse setzt.

Tipp 4) Investiere in die Zukunft                                                          Besonders als kleinere Fashion Brand wird selten das große Geld für ein High-End Fashion ‘Tech-Stack’ im Etat zur Seite gelegt. Du solltest in der Aufrüstung deiner digitalen Infrastruktur aber vielmehr eine Investition in die Zukunft sehen. Aber nicht nur langfristig wird dir dein ‘Tech Stack’ dabei helfen, steigende Komplexität zu managen, Kosten zu senken und Kunden zu gewinnen. Sobald dein Team erst einmal in die neuen Systeme eingearbeitet ist, wird sich der Unterschied schnell bemerkbar machen.

Wir hoffen, dass wir dir mit diesem kurzen Guide einen besseren Überblick über die wichtigsten Systeme gewähren konnten, sowie passende Anhaltspunkte für mögliche Anbieter.


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