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Fashion Industry

Beyond Tier 1: Die Bedeutung der Lieferantenzusammenarbeit für Transparenz und Nachhaltigkeit in der Lieferkette

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Thore Bischoff
· 3 minute read

Bei Delogue verbinden wir Brands und Lieferanten, um für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit in der Zusammenarbeit zu sorgen. Unser Teammitglied Lisa Herrmann teilt in diesem Artikel ihre Gedanken zu den Chancen und Problemen innerhalb der Lieferantenzusammenarbeit.

“Ganz egal von was für einer Beziehung wir sprechen, ob professionell oder persönlich, ob romantisch oder freundschaftlich, die Basis von allen ist immer die Gleiche: Vertrauen. Während man in einer Beziehung Vertrauen schnell spürt, ist das in der Lieferkette allerdings häufig schwieriger,“ erklärt Lisa.

Aber woher kommt diese unterbewusste Vertrauensbarriere? Ist es wegen der Sprache? Der Distanz? Oder der Tatsache, dass Lieferbeziehungen alles andere als monogam ablaufen?

In diesem Artikel wollen wir der Frage, wie die Industrie mehr Transparenz und Nachhaltigkeit in dieser Beziehung schaffen kann, weiter auf den Grund gehen.

Wie alles begann – Vertrauensprobleme in der Lieferkette

“Innerhalb der letzten 30 Jahre haben Fashion Brands ihre Produktionsprozesse immer weiter ausgegliedert an spezialisiertere Lieferanten,“ erzählt Lisa. „Dadurch erhoffen sie sich Preisvorteile gegenüber der Konkurrenz und gleichzeitig auch Skalen- und Verbundeffekte. Aber umso mehr Prozesse wir ausgliedern, umso schneller wird aus einer Lieferkette auch einfach nur ein großes Netz an Beziehungen.“

Die Folge hiervon ist eine fragmentierte Lieferkette mit endlosen Zulieferern und unscheinbaren Akteuren, die alle an der Erstellung des gleichen Produktes beteiligt sind. „Durch das erhöhte Ausgliedern entsteht deutlich mehr Komplexität, wodurch es immer schwieriger wird, persönliche Beziehungen zu pflegen und Vertrauen aufzubauen“, meint Lisa hierzu.

Und es steht noch viel mehr auf dem Spiel. Die Industrie ist dafür verantwortlich, die Unbefangenheit von Beziehungen zwischen Brands und Lieferanten zu wahren. Das ständige Ausgliedern wird aber immer mehr zu einem „Wettbewerbskrieg“, der ein starkes Machtgefälle zur Folge hat.

“Der Machtwechsel wurde während der Pandemie sehr deutlich”, erinnert sich Lisa. „Große Fashion Brands stornierten ihre Bestellungen. Und die Lieferanten mussten mit den Konsequenzen klarkommen.“

Bei Beziehungen kommt es nur noch auf die nächste Transaktion an. Meistens dauern sie nicht länger als eine Saison an. Und dadurch wird die gegenseitige Abhängigkeit und das gleichzeitige Misstrauen immer größer.

Wenn so die Beziehung deines Freundes aussehen würde und du nach Hilfe gefragt werden würdest, wäre deine Antwort wahrscheinlich: Renn! Das hört sich sehr ungesund an.

Wie ist der Stand – Transparenz jenseits von Tier-1?

In den letzten Jahren hat sich die Industrie und ihre Lieferketten in eine nachhaltigere und transparentere Richtung bewegt. So wirkt es zumindest oberflächlich. Durch Aktivismus werden Brands immer mehr dazu gedrängt, ihre Daten zu teilen, und auch die Kunden erwarten ehrliche Informationen. Obwohl das eine positive Entwicklung darstellt, meint Lisa, dass es noch viel zu tun gibt.

“Wenn du dir anschaust, welche Informationen bereitgestellt werden, siehst du immer noch, dass diese sehr begrenzt sind und nicht die komplette Lieferkette abdecken.“

Die meisten Brands thematisieren hier lediglich ihre Tier-1 Produzenten. Das sind die, zu denen die Brand direkte vertragliche Verpflichtungen hat. Aber die Lieferanten der Ausgangsstoffe finden meistens keine Erwähnung. Und genau diese haben die größte Auswirkung auf Menschen- und Umweltrechte.

Das ist in etwa so wie: ‚Okay, ich weiß nicht was genau die eigentlich machen, also bin ich dafür auch nicht verantwortlich‘ – aber das stimmt nicht!

Was bringt die Zukunft – Bessere Zusammenarbeit für mehr Nachhaltigkeit und Transparenz

Wie kann man also für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit sorgen? Lisa ist der Meinung, dass die Lösung eine bessere Einbindung der Lieferanten sein muss.

„Erst einmal ist es wichtig, von dem Transaktions-Modell wegzukommen und ein kollaborativeres Partnerschafts-Modell zu schaffen. Es ist bewiesen, dass das Schaffen von Vertrauen mit Lieferanten dazu führt, dass diese auch gewillter sind, ihre Daten vollständig zu teilen und gemeinsam an Nachhaltigkeitszielen zu arbeiten.“

Langfristige Verpflichtungen sind der Schlüssel für eine kollaborativere Lieferantenzusammenarbeit. So wird genau das Machtgefälle kleiner, dass der Lieferkette vorher so schadete.   

Um mehr Transparenz zu schaffen, ist sich Lisa sicher, dass gemeinsame Investitionen in Technologie und Digitalisierung eine wichtige Rolle spielen. „Eine passende digitale Infrastruktur legt den Grundstein für mehr Transparenz und ehrlichere Informationen, die nicht einfach nur toll auf dem Marketing-Bericht aussehen.“

Die digitale Infrastruktur vereint Brands und Lieferanten – unabhängig von ihrer Sprache und Kultur. Sie verbessert die Kommunikation und schafft mehr Vertrauen und Transparenz.

„Diese zwei Elemente, Vertrauen und gemeinsame Investitionen, können die nötige Transparenz und Verantwortlichkeit in allen Phasen der Lieferkette schaffen.“ Lisa versichert, dass das eine Win-Win-Situation für beide Parteien darstellt. „Denke einfach mal an die Vorteile für das Ansehen von Fashion Brands. Zu zeigen, zu was man wirklich in der Lage ist, ist ein viel besserer Weg zur Nachhaltigkeit, als falsche Versprechungen zu machen.“

Die Fashion Industrie tat sich in der Vergangenheit immer schwer damit, ein positives Bild zu wahren. Unrealistische Schönheitsideale, dreiste Copycats und fragwürdige ethische und nachhaltige Maßnahmen, stellten viele Brands häufig in ein schlechtes Licht. Um diesen Schaden zu bereinigen, gibt es eine einfache Lösung: Legt das Kriegsbeil nieder und fangt an, wirklich und ehrlich zusammenzuarbeiten.

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