By Maja Carvell Strecker
5 minute read
Maja Carvell Strecker By Maja Carvell Strecker
5 minute read
Die Modeindustrie verursacht immer noch rund 1,2 Milliarden Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr – mehr als die Schifffahrts- und Luftfahrtindustrie zusammen. Da die Erwartungen an Nachhaltigkeit weiter steigen, stehen Marken zunehmend unter Druck, ihre Produktions-, Beschaffungs- und Materialprozesse zu verbessern.
Eine Studie von Quantis aus dem Jahr 2018 ergab, dass über 90 % der Emissionen der Modebranche aus nur vier Aktivitäten stammen: Färben und Veredeln, Stoffvorbereitung, Garnherstellung und Faserproduktion. All diese Phasen sind auf genaue Auftragskalkulationen angewiesen, um nur das zu produzieren, was tatsächlich benötigt wird. Und im Zentrum dieser Kalkulation steht die Stückliste (Bill of Materials, BoM).
Während ungenaue BoMs zu Überproduktion und Abfall führen können, werden gut strukturierte und präzise geplante BoMs zum stillen Helden Ihrer Marken-Nachhaltigkeit.
Was genau ist eine Stückliste (Bill of Materials)?
Eine Stückliste ist eine detaillierte Aufstellung aller Materialien, Komponenten und Artikel, die zur Herstellung eines Produkts verwendet werden - oft als Einkaufsliste des Produkts bezeichnet.
Eine vollständige BoM enthält alle Details: Stoffe, Besätze, Garne, Reißverschlüsse und Knöpfe, einschließlich Angaben zu Größe, Farbe, Lieferant und Platzierung. Diese strukturierte Übersicht ermöglicht es Marken, Materialkosten zu kontrollieren, Einkäufe effizient zu planen und Abfall zu minimieren - und dabei sicherzustellen, dass kein Bestandteil übersehen wird.
Warum die BoM in der Wertschöpfungskette so wichtig ist
Die BoM entsteht bereits in der Designphase, wenn erste Ideen, Skizzen und Spezifikationen entwickelt werden. Produktentwicklungsteams verwandeln diese kreativen Inputs anschließend in detaillierte Materialanforderungen und präzise Kalkulationen. Produkttechniker prüfen Schnittmuster, Maße, Farben und Qualität, bevor sie die Unterlagen an Lieferanten übergeben.
Schon der kleinste Fehler kann sich durch den gesamten Entwicklungszyklus auswirken. Falsch berechnete Mengen können Bestände durcheinanderbringen oder die Produktion verzögern. Ungenaue Produktkalkulationen können die Rentabilität verzerren. Und unvollständige Daten können Qualitätsprobleme oder Kundenreklamationen verursachen.
Kurz gesagt: Eine präzise, gut gepflegte Stückliste ist das Rückgrat einer reibungslosen und nachhaltigen Wertschöpfungskette.
Wie die BoM zur Nachhaltigkeit von Marken beiträgt
Da Modemarken ihre Nachhaltigkeitsstrategien verstärken – getrieben durch Regulierung, Werte und Wirtschaftlichkeit – wird die BoM zu einem zentralen Werkzeug für verantwortungsvolle Produktion.
Eine durchdachte BoM ermöglicht bessere Entscheidungen in jeder Phase:
1. Auswahl regenerativer oder recycelter Materialien statt umweltschädlicher Alternativen
2. Wahl effizienterer, ressourcenschonender Produktionsverfahren
3. Frühzeitige Einbindung von Lieferanten, um nachhaltige Praktiken und Datentransparenz sicherzustellen
Wenn all diese Elemente in einem einheitlichen System verwaltet werden, können Marken Abfall reduzieren, Materialeinsatz optimieren und die Umweltwirkung jedes Produkts genauer dokumentieren. Das Ergebnis: messbare Nachhaltigkeit, die schon beim Design beginnt.
Wie Product Lifecycle Management (PLM) die Genauigkeit von BoMs verbessert
In einem Product-Lifecycle-Management-System (PLM) kann ein Großteil der Dokumentationsprozesse – einschließlich der Erstellung von Stücklisten – automatisiert werden.
Mit PLM sind BoMs dynamisch mit Design- und Entwicklungsdaten verknüpft, sodass Aktualisierungen von Saison zu Saison nahtlos erfolgen. Dadurch werden menschliche Fehler reduziert und Änderungen sofort in allen Teams sichtbar.
Da PLM als kollaborative Plattform funktioniert, arbeiten Design-, Sourcing- und Produktionsteams mit denselben Daten – was die Abstimmung zwischen kreativer Absicht und technischer Machbarkeit erleichtert. So können Designanpassungen und Lieferantenänderungen frühzeitig erfolgen, bevor es zu Problemen in der Prototypenphase kommt.
Ein gut implementiertes PLM-System verwandelt das BoM-Management in einen strategischen Vorteil: mehr Präzision, mehr Transparenz, weniger Verschwendung.
PLM vs. ALM: Den Unterschied verstehen
Während Product Lifecycle Management (PLM) auf die Verwaltung physischer Produktlebenszyklen – von der Idee bis zur Produktion – ausgerichtet ist, erfüllt Application Lifecycle Management (ALM) eine ähnliche Funktion in der Softwarewelt.
Beide Systeme zielen darauf ab, Zusammenarbeit, Transparenz und Effizienz über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verbessern, unterscheiden sich jedoch im Anwendungsbereich:
1. PLM konzentriert sich auf Mode, Design, Fertigung und Lieferkettenprozesse.
2. ALM fokussiert sich auf Softwareentwicklung, Versionsverwaltung, Tests und Release-Management.
Der Unterschied zwischen ALM und PLM liegt also darin, was sie verwalten: physische Produkte gegenüber digitalen Anwendungen.
Dennoch überschneiden sich die Prinzipien zunehmend – insbesondere im Zuge der Digitalisierung der Modebranche. Ein Verständnis beider Konzepte, PLM und ALM, hilft Marken und Entwicklern, besser zusammenzuarbeiten und Lifecycle-Denken nicht nur auf Kleidung, sondern auch auf die digitalen Werkzeuge der Branche anzuwenden.
Fazit
Eine präzise und gut gepflegte Stückliste bildet die Grundlage für eine ressourceneffiziente und nachhaltige Wertschöpfungskette. Doch echte Nachhaltigkeit entsteht nur, wenn alle Beteiligten und Systeme – von Design bis Lieferanten – auf gemeinsame Ziele ausgerichtet sind.
Buchen Sie eine Demo und erfahren Sie, wie Delogue PLM Sie dabei unterstützen kann, präzise BoMs zu erstellen, Ihre Produktdaten zu optimieren und konkrete Schritte in Richtung nachhaltiger Produktion zu gehen.
Schauen Sie sich unser monatliches Webinar an
Jeden Monat veranstalten wir ein Webinar – häufig in Zusammenarbeit mit unseren IT-Lösungspartnern und führenden Marken der Branche. Die Themen variieren, doch eines bleibt gleich: Wir möchten die Herausforderungen der Modeindustrie greifbarer machen und unsere praxisnahen, umsetzbaren Lösungsansätze teilen.
Entdecken Sie das Webinar dieses Monats – klicken Sie einfach auf den Button unten.