Your supplier is certified, but what about your product? | Delogue
ESG & Compliance

Your supplier is certified, but what about your product?

Zertifizierungen begegnen dir in der Mode überall. Etwas kniffliger wird es bei der Frage, was genau zertifiziert wurde. Denn ein zertifizierter Lieferant, ein zertifizierter Stoff und ein zertifiziertes T-Shirt sind nicht zwangsläufig dasselbe.

Was heißt „zertifiziert“ eigentlich?

GOTS, OEKO-TEX, GRS, RWS, FSC. Die Modebranche hat über die Jahre ein ganzes Alphabet an Zertifizierungen angesammelt. Im Kern ist eine Zertifizierung der Nachweis, dass etwas gegen definierte Anforderungen geprüft wurde. Je nach Zertifizierung kann dieses „etwas“ ein Material sein, ein fertiges Produkt, ein Produktionsprozess oder sogar Teile der Lieferkette dahinter.

Dass Zertifizierungen so selbstverständlich zur Mode gehören, hat einen guten Grund. Die wenigsten Marken bauen die Baumwolle selbst an, spinnen das Garn, färben den Stoff und nähen das fertige Kleidungsstück. Ein Produkt geht durch viele Hände, oft über mehrere Länder hinweg, und Marken brauchen Wege, um zu dokumentieren, was passiert ist, bevor es bei ihnen ankam.

Zertifizierungssysteme schaffen diese gemeinsame Sprache. Standards wie GOTS und OEKO-TEX werden von unabhängigen Organisationen entwickelt und verwaltet; die eigentlichen Audits, Bewertungen und Prüfungen übernehmen zugelassene Zertifizierungsstellen oder Institute. Wenn ein Lieferant also sagt, etwas sei zertifiziert, sollte dahinter mehr stecken als ein Logo in einer Präsentation. Es gibt Anforderungen zu erfüllen und Dokumentation, die das belegt.

GOTS, OEKO-TEX oder beides?

Nimm ein einfaches Baumwoll-T-Shirt. Du willst Bio-Baumwolle, also kommt GOTS ins Spiel. Dann fragt jemand nach Schadstoffen und OEKO-TEX kommt dazu. Musst du dich entscheiden? Brauchst du beides? Und sagen die beiden nicht ohnehin dasselbe aus? Nicht ganz.

GOTS betrachtet Textilien aus zertifizierten Bio-Fasern und verfolgt sie durch Verarbeitung und Produktion. Der Standard hört nicht bei der Frage auf, ob die Baumwolle einmal bio war. Er stellt auch Anforderungen an Chemikalien, Umweltmanagement, Arbeitsbedingungen und die Rückverfolgbarkeit in der zertifizierten Lieferkette.

OEKO-TEX STANDARD 100 beantwortet eine andere Frage. Hier geht es darum, ob ein textiler Artikel auf Schadstoffe geprüft wurde. Und dabei zählt nicht nur der Hauptstoff. Nähgarn, Knöpfe, Reißverschlüsse, Drucke und weitere Komponenten können Teil der Prüfung sein.

Die beiden können also auf demselben T-Shirt sitzen und trotzdem zwei verschiedene Aufgaben erfüllen. Deshalb ist „Welche Zertifizierung ist die beste?“ vermutlich die falsche Einstiegsfrage. Was willst du belegen? Bio-Faseranteil und Verarbeitung? Die Prüfung auf Schadstoffe? Beides? Etwas ganz anderes? Fang dort an, und das Alphabet wird ein Stück verständlicher.

Dein Lieferant ist zertifiziert. Ist es dein Produkt auch?

Dein Lieferant schickt dir sein GOTS Scope-Zertifikat (Scope Certificate). Gut. Aber belegt das, dass die 500 T-Shirts, die du gerade gekauft hast, aus zertifizierter Bio-Baumwolle gefertigt wurden? Nicht ganz. Ein Scope-Zertifikat sagt dir, dass der Lieferant zertifiziert ist und was seine Zertifizierung abdeckt. Ein Transaktionszertifikat (Transaction Certificate, TC) geht einen Schritt weiter. Es bezieht sich auf eine konkrete Transaktion und dokumentiert die zertifizierten Produkte, Materialien und Mengen, die tatsächlich an dich verkauft wurden.

Diese Unterscheidung ist besonders dann nützlich, wenn dein eigenes Unternehmen nicht GOTS-zertifiziert ist. Du kannst trotzdem zertifiziertes Bio-Material beziehen und die Dokumentation deines Lieferanten nutzen, um Angaben zum Faseranteil deines Produkts zu untermauern. Ein TC erlaubt dir aber nicht automatisch, das fertige Produkt GOTS-zertifiziert zu nennen oder das GOTS-Logo darauf zu setzen. Dafür hat GOTS eigene Regeln, wann Name und Logo verwendet werden dürfen.

Und genau das ist die entscheidende Unterscheidung. Zu belegen, was in deinem Produkt steckt, und zu behaupten, dein Produkt selbst sei zertifiziert, ist nicht dasselbe. Für Marken lautet die Frage deshalb nicht immer „Sollten wir uns zertifizieren lassen?“. Sie kann auch lauten: „Was wollen wir aussagen, und welche Dokumentation brauchen wir, um das zu belegen?“

Das Zertifikat ist erst der Anfang

In fast jedem Modeunternehmen gibt es irgendwo einen Ordner, der ungefähr „Lieferantenzertifikate“ heißt. Darin liegen PDFs. Viele PDFs. Die schwierigere Frage ist, ob jemand weiß, welche Materialien sie abdecken, welche Produkte diese Materialien verwenden und wann die Zertifikate ablaufen.

Deshalb ist Zertifizierung auch eine Frage der Zusammenarbeit mit Lieferanten. Marken brauchen Dokumentation aus tieferen Stufen der Lieferkette, und diese Dokumentation muss mit dem Material oder Produkt verknüpft bleiben, zu dem sie gehört. Ein PLM hilft dabei, diese Verbindungen zu erhalten, statt Zertifikate über Postfächer und Ordner verstreut liegen zu lassen.

Das ist wichtig für die Aussagen, die du heute triffst, aber auch für das, was als Nächstes kommt. Die ESPR-Verordnung und der kommende digitale Produktpass bewegen die Branche in Richtung strukturierterer Produktinformationen und belastbarerer Dokumentation. Bevor du also die nächste Zertifizierung einsammelst, fang bei dem an, was dein Unternehmen wirklich braucht. Was willst du über deine Produkte sagen? Was können deine Lieferanten schon heute belegen? Und wo rechtfertigt eine eigene Zertifizierung den zusätzlichen Aufwand und die Kosten? Eine Zertifizierung sollte deine Strategie stützen, nicht zur Strategie werden.

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